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Vitamin D - man nennt es auch das

Höherer Vitamin D Spiegel = mehr Testosteron?

Das männliche Sexualhormon Testosteron gilt im männlichen Geschlecht als DAS Muskelaufbauhormon schlechthin. Hohe Testosteronspiegel sorgen für eine männliche(re) Erscheinung und ermöglichen es uns – sofern Training und Ernährung stimmen – einen höheren Muskelmassegehalt zu erreichen und vor allem auch zu halten.

Vielleicht kennst du ja bereits meinen Artikel über pflanzliche Testosteron-Booster, den ich vor einigen Jahren auf Aesir Sports veröffentlicht habe. In der Einleitung bin ich auf ein sehr interessantes Phänomen eingegangen, welches vor allem die heutige (und die nachfolgenden) Generationen von Männern betrifft: Unsere Testosteronspiegel sind im Sinkflug und nach dem heutigen Stand sieht es so aus, als ob eine Umkehr dieses Trends nicht zu erwarten ist.

Ich halte einen Wandel in unserem Lebens- und Ernährungsstil für eine solche Trendentwicklung verantwortlich: Wir arbeiten häufig nicht mehr körperlich schwer (fehlende muskuläre Beanspruchung) und ernähren uns von Fast Food und Fertiggerichten (hyperkalorische, aber mikronährstoff- & vitaminarme Ernährung). Im Kontext des heutigen Studien-Reviews könnte man auch sagen: Wir ernähren uns Vitamin D-arm.

Dies könnte, gemäß der heutigen Studie, ein Grund von vielen sein, wieso sich Männer von heute mit sinkenden und ggf. unterdurchschnittlichen Testosteronspiegeln konfrontiert sehen – was sich wiederum auf das Muskelaufbaupotenzial auswirkt. (Welche Möglichkeiten es zur (natürlichen) Steigerung der Testosteronproduktion infolge der Lebensmittelauswahl gibt, habe ich bereits in einem Aesir Sports Artikel lang und breit erläutert).

Wer seinem Muskelaufbauglück nicht mit der Ratio der Pharm auf die Sprünge helfen möchte, aber auf einen möglichst hohen (natürlich maximalen) Testosteronspiegel nicht verzichten will, der sollte ggf. einen genaueren Blick auf seine tägliche Vitamin D Zufuhr werfen – jedenfalls impliziert das eine sehr interessante Studie aus dem Jahr 2010, die eine eindrückliche Korrelation zwischen dem Vitamin D und Testosteron-Spiegel herausgearbeitet hat.




Das Studien Setup

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Aus tierexperimentellen Versuchsreihen und In Vitro Studien ist bekannt, dass das Sonnenvitamin (korrekte Bezeichnung: 25-Hydroxyvitamin D oder auch 25(OH)D) eine wichtige Rolle bei der Reproduktion und Fertilität in Mann und Frau spielt [4][5][9][10].

Beim Mann führt die Behandlung mit Vitamin D dazu, dass Gene, die für die Spermienproduktion (Spermatogenese) wichtig sind, in den Sertoli-Zellen hochreguliert werden [11]. Dass Vitamin D gerade für die Reproduktion wichtig ist, zeigt sich daran, dass Spermien über Vitamin D-Rezeptoren verfügen [12]. Welche Rolle der Vitamin D Status hinsichtlich dem Level androgener Hormone bei Männern spielt, ist derweil weitaus weniger bekannt.

In ihrer Längsschnittstudie werteten Wehr und Kollegen (2010) die Daten von rund 2299 Männern aus, welche im Zeitraum von 1997-2000 bei Routineuntersuchungen erhoben wurden. Hierbei konzentrierte man sich auf die Vitamin D Spiegel, den Testosteronwert sowie den Gehalt an Sexualhormon-bindendem Globulin (SHBG) – und ihre Beziehung zueinander (Free Androgen Index, kurz: FAI)

Beim Sexualhormon-bindenden Globulin handelt es sich um eines von mehreren Transporterproteinen, welche Sexualhormone wie Testosteron (und Östrogen) an sich binden und über das Blut verschiffen (ein anderes Transportprotein wäre z.B. Albumin).

Testosteron kann also z.B. in gebundender Form (an SHBG oder Albumin) vorliegen oder – in weitaus geringerer Konzentration – als freies Testosteron zirkulieren. Prinzipiell lässt sich sagen, dass die gebundene Form inaktiv ist, während das freie Testosteron (fT) unter anderem für die Entwicklung männlicher Charakteristika, starke Knochen, Sex-Drive, Fertilität und sogar Kognition zuständig ist [6][7][8].

Zur Ermittlung des FAI-Werts teilte man den (freien) Testosteronwert (gemessen in nmol/l) durch den SHBG-Wert (ebenfalls in nmol/l), um eine Verhältnisgröße zu ermitteln.




Das Studien Ergebnis

Das Wichtigste vorab: Lediglich 11 % der untersuchten Blutproben enthielten eine Vitamin D Konzentration, die man als ausreichend hätte bezeichnen können (nämlich mehr als 30 µgl/l).

Das heißt: Von den 2299 Männern, die bei der Studie berücksichtigt wurden, wiesen nur 262 von ihnen einen gedeckten Vitamin D-Spiegel auf.

    • 457 der Kandidaten litten unter einem erheblichen Vitamin D-Mangel (Ø 7,2 µgl/l)
    • 991 der Kandidaten litten unter einem moderaten Vitamin D-Mangel (Ø 14,9 µgl/l)
    • 589 der Kandidaten litten unter einem milden Vitamin D-Mangel (Ø 24,2 µgl/l)

Bedenkt man, dass 30 µgl/l so etwas wie ein Mindestmaß – aber noch lange kein Optimumwert – sind, dann spricht dieses Ergebnis wahre Bände (ein guter Vitamin D-Spiegel liegt eher bei 80 µgl/l!). Aber das ist noch nicht alles an Erkenntnissen, was die Forscher aus dieser Untersuchung mitnehmen konnten.

Diejenigen Männer, die einen…na ich nenne es mal adäquaten“ Vitamin D-Spiegel aufwiesen, erfreuten sich auch gleichzeitig eines höheren Testosteronspiegels und eines höheren FAI-Werts (d.h. weniger gebundenes Testosteron). Es konnte ein dosis-abhängiger Effekt nachgewiesen werden: Je höher die Vitamin D Konzentration, desto höher auch der Testosteronwert (und weniger gebundenes Testosteron). Die Ergebnisse sehen dann wie folgt aus:

Erheblicher Vitamin D-Mangel (n=457) Moderater Vitamin D-Mangel (n=991) Milder Vitamin D-Mangel (n=589) Ausr. Vitamin D-Spiegel (n=262)
25(OH)D (in µgl/l) 7,2 14,9 24,2 36,3
BMI (in kg/m²) 27,6 27,8 27,4 27,3
Testosteron (in nmol/l) 16,3 17,3 17,7 18,4
FAI-Wert 40,9 44,9 48,4 49,3
SHBG (in nmol/l) 44,5 42,7 40,9 40,1

Bei 415 der untersuchten Männer (18%) konnten die Forscher Hypogonadismus konstatieren (Testosteronspiegel <11,3 nmol/l). Diese Personen wiesen im Durchschnitt auch einen niedrigeren Vitamin D-Spiegel auf, als Männer, deren Körper ausreichend Testosteron gebildet haben (16,4 Vs. 18,6 µgl/l)

Da man über zeitabhängige Daten (mehrere Messungen im Jahresverlauf) verfügte, konnten die Wissenschaftler auch eine saisonale Entwicklung nachskizzieren, wobei Vitamin D Gehalt, Testosteron- und FAI-Wert einer jahreszeitlichen Entwicklung folgten – das bildet die nachfolgende Grafik ab:

Saisonale Schwankungen & Korrelation beim Vitamin D-Spiegel & Testosteronwert

Grafik 1: Es zeigt sich ein ganz klarer saisonaler Trend zwischen dem Vitamin D-Spiegel sowie dem Testosteronwert (und damit FAI-Wert), wobei die Talsohle im März, der Zenit im August liegt (Bildquelle: Wehr et al. (2010))

Fazit der Forscher

Zusammengefasst präsentieren wir Beweise für eine Verbindung zwischen 25(OH)D-Spiegel und Androgene in einer großen Kohorte älterer Männer. Diese Auffassung wird weiterhin durch ähnliche saisonale Schwankungen von 25(OH)D und Serum-Androgenspiegeln unterstützt. Wir legen nahe, dass diese Ergebnisse einen weiteren Grund für randomisierte kontrollierte Versuchsreihen zur Evaluation des Einflusses einer Vitamin D-Supplementation hinsichtlich des Testosteronspiegels per se und im Kontext des Hypogonadismus und den damit verbundenen adversen gesundheitlichen Effekten liefern.

Wehr et al. (2010)




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Halten wir an dieser Stelle noch einmal fest: Von 2299 untersuchten Männern wiesen nur 262 (11%) einen Vitamin D-Spiegel auf, der zumindest auf keinen Mangel hinwies. Die Forscher waren in der Lage eine Korrelation zwischen Vitamin D-Spiegel und Testosteronwert (bzw. FAI-Wert; Verhältnis von freiem Testosteron zu SHBG) herzuleiten.

Weiterhin fand man einen saisonalen Einfluss bezüglich des Vitamin D-Spiegels, der Testosteronkonzentration sowie des FAI-Werts. Die Annahme einer jahreszeitliche Fluktuation deckt sich auch mit anderen älteren Arbeiten (siehe hierzu den Aesir Sports Artikel vom Kollegen Chris: „Vitamin D: Für mehr Leistung, bessere Regeneration und ein starkes Immunsystem“), was darauf schließen lässt, dass eine ausreichende Vitamin D-Zufuhr gerade dann entscheidend ist, wenn es in die kalte und dunkle Jahreszeit geht (Winter, früher Frühling), wo bekanntlich die Sonneneinstrahlung geringer ausfällt.

Die Forscher machten die Talsohle (niedrigste Werte) im März aus, während die höchsten (Zenit) im August lagen. Dies hat somit nicht nur gesundheitliche Implikationen, sondern regt auch zum Nachdenken darüber an, welche Rolle eine vorsorgliche Ergänzung mit Vitamin D (und damit auch eine Aufrechterhaltung des Testosteronspiegels) in Sportpopulationen haben könnte (vor allem hinsichtlich Performance und Muskelaufbaupotenzial).

Mankos der Studie

    • Die untersuchten Teilnehmer waren keine Athleten. Bei der Studie wurde zwar der BMI berücksichtigt, aber dieser ist bekanntlich nicht besonders ergiebig, wenn es um die Quantifikation und Relation von Mager- zu Fettmasse geht.
    • Die untersuchten Teilnehmer waren im Schnitt ~60 Jahre alt. Es wäre interessant zu wissen, inwiefern der Vitamin D-Spiegel den Testosteronwert in einer jungen, gesunden und männlichen Population beeinflusst.

Quellen (Draufklicken zum Ausklappen)

[1] Ergo-log.com (2010): High vitamin D level = high testosterone level. URL: http://www.ergo-log.com/vitamindtestosterone.html.

[2] Wehr, E., et al. (2010): Association of vitamin D status with serum androgen levels in men. In: Clin Endocrinol. In: Eur J Appl Physiol. URL: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20050857 / http://www.medscape.com/viewarticle/727912

[3] Nimptsch, K., et al. (2012): Association between plasma 25-OH vitamin D and testosterone levels in men. In: Clin Endocrinol. URL: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3712348/.

[4] Blomberg Jensen, M. (2014): Vitamin D and male reproduction. In: Nature. URL: http://www.nature.com/nrendo/journal/v10/n3/full/nrendo.2013.262.html.

[5] Lerchbaum, E. / Obermayer-Pietsch, B. (2012): MECHANISMS IN ENDOCRINOLOGY: Vitamin D and fertility: a systematic review. In: EJE. URL: http://www.eje-online.org/content/166/5/765.full.

[6] Kwan, M., et al. (1983): The nature of androgen action on male sexuality: a combined laboratory-selfreport study on hypogonadal men. In: Journal of Clinical Endocrinology and Metabolism. URL: http://press.endocrine.org/doi/abs/10.1210/jcem-57-3-557.

[7] Moffat, SD., et al. (2002): Longitudinal assessment of serum free testosterone concentration predicts memory performance and cognitive status in elderly men. In: Journal of Clinical Endocrinology and Metabolism. URL: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12414864.

[8] Mauras, N., et al. (1998): Testosterone deficiency in young men: marked alterations in whole body protein kinetics, strength, and adiposity. In: Journal of Clinical Endocrinology and Metabolism. URL: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9626114.

[9] Kinuta, K., et al. (2000): Vitamin D is an important factor in estrogen biosynthesis of both female and male gonads. In: Endocrinology. URL: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10746634.

[10] Kwiecinski, GG. / Petrie, GI. / DeLuca, HF. (1989): Vitamin D is necessary for reproductive functions of the male rat. In: Journal of Nutrition. URL: ): Vitamin D is necessary for reproductive functions of the male rat.

[11] Hirai, T., et al. (2009): Effect of 1,25-dihydroxyvitamin d on testicular morphology and gene expression in experimental cryptorchid mouse: testis specific cDNA microarray analysis and potential implication in male infertility. In: Journal of Urology. URL: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19157449.

[12] Corbett, ST. / Hill, O. / Nangia, AK. (2006): Vitamin D receptor found in human sperm. In: Urology. URL: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17169662.

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Bildquelle Titelbild: Flickr / Bailey Weaver

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