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Machen Lebensmittel, die als gesund angepriesen und wahrgenommen werden, weniger satt?

Ist gesundes Essen weniger sättigend?

Kennst du das auch? Du fängst an deine Ernährung auf “gesund” umzustellen und willst ggf. abnehmen – komischerweise hast du nach einer Weile das Gefühl kaum noch satt zu werden. Irgendwie, so könnte man mutmaßen, sind gesunde Lebensmittel weniger befriedigend und sättigend, als ihre industriell stark-verarbeiteten Counterparts. Also isst du einfach mehr von dem „gesunden Zeug“, denn – tja, es ist halt gesund! Die Folge? Das Gewicht steigt, anstatt zu sinken.

Was zunächst paradox klingt, könnte einen wahren Kern haben.

In einer aktuellen Studie, die Ende 2015 im Journal of Association for Consumer Research erschienen ist, haben Wissenschaftler das Phänomen näher unter die Lupe genommen und dabei festgestellt, dass die Wahrscheinlichkeit sich an Lebensmitteln – die als gesund wahrgenommen werden – zu überessen, erhöht ist.




Hypothese: Gesundes Essen = weniger Sättigung = höhere Verzehrmenge?

Suher und Kollegen (2015) stellten zu Beginn ihrer Experimente die Hypothese auf wonach gesunde Lebensmittel als weniger sättigend wahrgenommen werden, was dazu führt, dass Menschen instinktiv mehr davon essen, als sonst üblich (“normale Portion”).

Um diese Hypothese zu beweisen, nutzen die Wissenschaftler ein mehrstufiges Experiment:

    1. Experiment Nr.1: Man rekrutierte 50 Studenten für einen Impliziten Assoziationstest, um herauszufinden, ob diese glauben würden, dass gesunde Lebensmittel weniger sättigend sind, als ihre ungesunden Pendants.
    2. Experiment Nr. 2: Man bat 40 Studenten darum Kekse zu essen, wobei ein Keks mit entsprechenden Nährwertinformationen auf der Verpackung bereitgestellt wurde, der klar darauf hinwies, dass dieser Keks eher ungesund war. Ein anderer Keks wurde demgegenüber als gesund dargestellt. Nach dem Verzehr des Kekses mussten die Teilnehmer ihren Hunger auf eine Skala angeben.
    3. Experiment Nr. 3: Bei diesem “Real World”-Versuch untersuchte man bei 72 Stundenten, welche Auswirkungen die Präsentation eines bestimmten Lebensmittels, hinsichtlich seines gesundheitlichen Werts, die bestellte Menge desselbigen beeinflusste. Anschließend zeigte man den Teilnehmern einen Kurzfilm und beobachtete, wie viel sie von dem Lebensmittel während des laufenden Films verzehrten.

    Das Studienergebnis

    Schauen wir uns zuerst einmal das Ergebnis des zweiten Experiments an, bei dem die beteiligten Forscher herausfanden, dass Teilnehmer, die den „gesunden“ Keks verzehrten im Anschluss einen höheren Hungerlevel angaben, als jene Personen, die den „ungesunden“ Keks gegessen haben.

    Interessanterweise berichteten auch die Studienteilnehmer von einem größeren Hungergefühl, die im vorherigen Assoziationstest (Experiment Nr. 1) angeben haben, nicht an die Theorie zu glauben, wonach gesunde Lebensmittel weniger sättigend sind.

    Im dritten Experiment, der „realen Situation“, stellten die Wissenschaftler fest, dass die Studienteilnehmer größere Mengen an Lebensmitteln bestellten und auch während des Experiments mehr davon verzehrten, wenn das Lebensmittel als „gesund“ deklariert war (im Vergleich zu Lebensmitteln, die als ungesund vermarktet wurden).

    Das Fazit de Forscher

    Die Verzehr-Studien liefern Beweise dafür, dass Menschen größere Lebensmittelmengen bestellen, mehr verzehren und sich weniger satt fühlen, wenn das Lebensmittel als gesünder dargestellt wird, als wenn es als ungesünder dargestellt wird. Zusätzlich zeigen wir eine neuartige Strategie zur Umkehr der Konsumentenintuition auf: Durch das Hervorheben der nährenden Aspekte eines gesunden Lebensmittels lässt sich so der Glaube, dass es weniger sättigend sei, abschwächen.

    Zusammengenommen tragen diese Resultate zu einer wachsenden Evidenzlage von psychologischen Ursachen für Gewichtszunahme und Übergewicht bei und zeigen dabei Wege auf, um die schädlichen Effekte der “gesund = weniger sättigend”-Intuition umzukehren.Suher et al. (2015)

    Die Ergebnisse dieser Studie deuten darauf hin, dass Menschen tendenziell größere Mengen eines spezifischen Produkts verzehren, wenn ein Produkt als gesund angepriesen/vermarktet und auch so wahrgenommen wird – jedenfalls größer, als die normal empfohlene Portionsmenge.

    Die beteiligten Forscher spekulieren weiterhin, dass ein solcher psychologischer Effekt dazu führen könnte, dass eine Gewichtszunahme und Übergewicht innerhalb der Bevölkerung begünstigt werden könnte.

    Du kannst dir eine solche Situation schwer vorstellen?

    Ein sehr prominentes Beispiel für eine solche Situation sind beispielsweise „Low Fat“ Produkte, nach denen bis vor einigen Jahren und Jahrzehnten noch niemand gefragt hat, die aber seit einigen Jahren einen großen Boom erfahren haben. Diese Produkte werden von Herstellern gerne als „gesund“ (gesünder) angepriesen, als Vollfettprodukte, eben weil sie fettarm sind (aber wohlmöglich weniger satt machen).

    Problematisch ist dies, weil fettarm nicht automatisch kalorienarm bedeutet: Man glaubt, eine gute Entscheidung beim Produktkauf zu treffen und langt am Esstisch dann doppelt oder dreifach zu – immerhin darf man sich ja was gönnen, weil das Produkt gesünder ist, als die Originalversion.

    Eine solche Milchmädchenrechnung geht allerdings selten auf, denn wenn du zwei „Low Fat“ Joghurts á 150 kcal verzehrst, aber vom Vollfett-Joghurt, der 225 kcal pro Becher hat, nur einen gegessen hättest, kommst du am Ende immer noch mit 75 Extra-Kalorien aus der Sache raus (300 kcal Vs. 225 kcal).

    Fraglich bleibt indes, ob ein solcher Low Fat Joghurt auch wirklich gesünder ist, denn meistens wird das weniger an Fett durch ein Mehr an Zucker ersetzt, um den Geschmack und die Bekömmlichkeit des Produkts aufzuwerten.

    Quellen (Draufklicken zum Ausklappen)

    [1] Suher, J. / Raghunathan, R. / Hoyer, W. (2015): Eating Healthy or Feeling Empty? How the“ Healthy = Less Filling“ Intuition Influences Satiety. In: J Assoc Cons Res. URL: http://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=2705002.

    [2] Whiteman, H. (2016): How healthy foods could lead to overeating. In: Medicalnewstoday.com. URL: http://www.medicalnewstoday.com/articles/304586.php.

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    Bildquelle: Titelbild: Wikimedia / Dianabotty




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    Ein Kommentar

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      Januar 16, 2016 1:46 pmGepostet 6 Monate her
      Freddy

      Kann ich mir nicht vorstellen, dass das so pauschal stimmt.
      Es kommt ja, und das sieht man auch an dem Artikel, darauf an, was als „gesund“ betrachtet wird.

      Eine „Diät“-Variante hat mMn nichts mit Gesund zu tun. Wenn man aber unter „gesund“ echtes Essen versteht (pures Gemüse, Obst, gutes unverarbeitetes Fleisch uswsf), dann kenne ich quasi keinen, der auf diese Art und Weise mehr Energie zu sich nimmt als er mit „ungesunden“ Lebensmitteln zu sich nehmen würde.

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