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Saft: Gehört für viele Menschen zu einem gesunden Frühstück dazu. Das Problem? Saft ist alles andere als gesund.

(Frucht)-Saft: Wieso das flüssige Obst gar nicht mal so gesund ist

Du kennst das ja bestimmt: Obst und Gemüse – das ist gesund und sollte öfter auf der Speisekarte stehen. „5 am Tag“ lautet eine goldene Regel, doch wer schafft es wirklich auf regelmäßiger Basis diese Empfehlung einzuhalten? Gut, dass man sein Obst (und Gemüse) auch in flüssiger Form zu sich nehmen kann, z.B. als Fruchtsaft (und neuerdings auch als Smoothie). Die Sache hat nur einen Haken…

Fruchtsaft hat mit der eigentlichen Frucht nicht mehr viel gemein und ist in den meisten Fällen weitaus weniger gesund, als du vielleicht glaubst.




(Bildquelle: Flicklr / Stéfan)

Cola, Fanta oder doch lieber Saft? Macht nährwerttechnisch kaum einen Unterschied!(Bildquelle: Flicklr / Stéfan)

Das „Gute“ aus der natürlichen Frucht

Bevor wir tiefer in die Thematik einsteigen, solltest du dir einer Sache bewusst werden: Früchte sind kohlenhydratreich (und das ist ein anderes Wort für stark gezuckert). Der in der Frucht enthaltene Zucker ist zwar natürlichen Ursprungs, allerdings enthalten die meisten Fruchtsäfte genauso viel davon, wie die handelsüblichen Soft-Drinks [1], die aufgrund ihres hohen Zuckergehalts oftmals negativ in den Schlagzeilen geraten.

Für Verdeutlichung (alles fddb.info Werte je 200ml Glas):

    • Kalorien- & Zuckergehalt von Coca Cola: 84 kcal, 10,6g Zucker
    • Kalorien- & Zuckergehalt Orangensaft: 85 kcal, 8,4g Zucker
    • Kalorien- & Zuckergehalt Kirschsaft: 112 kcal, 13,6g Zucker
    • Kalorien- & Zuckergehalt Apfelsaft: 96 kcal, 10,5 Zucker
    • Kalorien- & Zuckergehalt Multivitaminsaft: 92 kcal, 10g Zucker

Merkst du worauf ich hinaus möchte?

Früchte enthalten zwar überdies hinaus noch einige Vitamine und Mineralstoffe, die man in Soft-Drinks eher sträflich vermisst, allerdings bleibt die Menge überschaubar. Die Wahrheit ist: Kalorie für Kalorie liefert dir Gemüse wesentlich mehr dieser Vitalstoffe als jedes erdenkliche Obst, weshalb die Strategie „mehr Obst essen, um den Bedarf an Vitaminen, Mineral- und Pflanzenstoffen zu decken“ nicht halb so gut aufgeht, wie du vielleicht denkst.

Damit möchte ich mich nicht gegen deinen täglichen Apfel, das Schälchen Erdbeeren oder die Banane aussprechen – es sei dir gegönnt! Echtes Obst und echte Früchte sind zwar nicht so gut, wie buntes Gemüse, aber sie haben ihre Daseinsberechtigung im Speiseplan eines ernährungsbewussten und fitten Menschen. Doch Saft dagegen … nun ja – sagen wir einfach, dass es seinen Sinn und Zweck verliert, sobald es der Hersteller es in seine vorgesehene Form bringt.

Mogelpackung Fruchtsaft oder: Die Tricks der Lebensmittelindustrie

Wie viel Frucht ist eigentlich wirklich in deinem Saft? (Bildquelle: Pixabay / WikiImagaes)

100% Frucht bekommst du am einfachsten, indem du dir deinen Saft selbst presst, aber ist das wirklich eine gesündere Alternative?(Bildquelle: Pixabay / WikiImagaes)

Ich weiß ja nicht, wie gut du dich mit der Lebensmittelindustrie auseinandergesetzt hast und die Politik kennst. Viele Menschen denken, dass die Hersteller nur das Beste ihre Kunden im Sinn haben. Haben sie es tatsächlich…?

Na klar, aber das Beste nennt sich in dem Fall Profit und das Ziel besteht darin so viel von einem Produkt zu verkaufen, wie nur irgend möglich. Um möglichst hohe Gewinne einzufahren, kann man zwei Dinge tun: Kosten reduzieren oder Preise erhöhen. Letzteres ist im Falle von Saft allerdings keine gute Idee, denn hier reagieren viele Menschen sehr preissensibel (wie bei allen alltäglichen Lebensmitteln, die mehr oder weniger homogen – gleichartig – sind und es einen hohen Wettbewerb gibt).

Stell dir einfach vor du würdest einen Saft im Supermarkt erblicken, der 5 € pro Liter kostet, während daneben X andere Säfte stehen, die für einen Bruchteil des Geldes zu kriegen sind, aber vom Layout ähnlich appetitlich aussehen – welchen wirst du wohl kaufen?

Sofern der Hersteller also nicht auf den Snob-Effekt abzielt (übrigens: Sehr beliebt in der Supplementbranche! Verlange einfach exorbitante Preise und die Menschen werden den Preis mit Qualität assoziieren), wird er den Teufel tun und den Preis so belassen, dass der Saft konkurrenzfähig bleibt.

Das heißt, er widmet sich eher der Kostenseite – und wo entstehen die meisten Kosten bei einem Produkt? Natürlich bei den Rohstoffen. Je weniger Rohstoff in ein Produkt einfließt, desto weniger kostet es in der Produktion. Dies führt dazu, dass findige Hersteller nach Mitteln und Wegen suchen, um ein Produkt nach etwas schmecken zu lassen, welches de facto nicht im Produkt enthalten ist oder zumindest nur in geringen Mengen einfließen muss (z.B. weil es der Staat vorschreibt, dass in einen Erdbeerjoghurt ein Mindestanteil an Erdbeeren enthalten sein muss).

Mit Aromen wird auch deswegen gearbeitet, weil der Obstsaft, der direkt aus der Frucht stammt, über Monate (bis zu einem Jahr) in Tanks gelagert wird [2], denen man den Sauerstoff entzogen hat. Dies sorgt bereits dafür, dass ein Teil des natürlichen Fruchtaromas flöten geht. (Wer sich für Produktion von Saft interessiert, dem kann ich das Buch „Squeezed: What You Don’t Know About Orange Juice“ Alissa Hamilton empfehlen – leider nur in Englisch erhältlich)

Eine solche Praktik findet sich auch bei der Saftindustrie: Man arbeitet z.B. mit Orangenaromen und -aromastoffen, welche den Geschmack des Orangen-Saftes intensivieren, obwohl eventuell weniger Orange im Produkt enthalten ist. Der Leidtragende ist, wie so oft, der Verbraucher, der im Deklarationsdschungel die Übersicht verloren hat. Denn was bedeuten schon „100 % Fruchtsaft“? Ist ein „Fruchtsaft“ jetzt besser als ein „Fruchtnektar“? Ist im Saft wirklich das beschrieben Obst drin und wenn ja, mit welchem Anteil? Wurden Konzentrate verwendet?

Eines wird dir beim Blick in das Supermarktregal schnell klar: Saft ist nicht gleich Saft [6] und während du beim Griff zum Obst genau weißt, was du in der Hand hältst, lässt sich eine solche Aussage beim Saft nicht mehr tätigen. Natürlich sinkt mit einem geringeren Fruchtanteil auch der Gehalt an Vitaminen, Pflanzen- und Mineralstoffen, sofern der Hersteller diese nicht wieder beimischt (das sind wieder Kosten!).

Halten wir also an dieser Stelle einmal fest: Die Saftproduktion hat natürlich gewisse Qualitätsauflagen und -standards, aber Hersteller werden stets darum bemüht sein im Rahmen des Möglichen (Gesetzgebung) die Kosten zu drücken. Eingespart wird gerne beim Rohstoff, wodurch der Saft, den du morgens zu deinen Cornflakes trinkst, nicht zwangsweise genauso viele Vitalstoffe enthält, wie eine äquivalente Menge an echtem Obst.

But wait – there is more…!




(Frucht-)Saft: Nicht halb so gut, wie das Original

Saft: Nicht halb so gut, wie das echte Obst. (Bildquelle: Pixabay / StockSnap)

Saft: Nicht halb so gut, wie das „oldschool“ Obst. (Bildquelle: Pixabay / StockSnap)

Im schlimmsten Fall hast du also ein Getränk im Glas, welches die Frucht, die auf dem Label steht, in so einer geringen Konzentration enthält, dass die Behauptung, du würdest Zuckerwasser mit Fruchtaroma trinken, gar nicht mehr so weit von der Hand zu weisen ist.

Verweilen wir für einen kurzen Augenblick beim Orangensaft: Dieser enthält natürlich eine entsprechende Portion an Vitamin C. Daneben finden sich Folsäure, Kalium und B-Vitamine wieder [2]. Auch Antioxidantien sind darin enthalten (du weißt schon: Die Teile, die uns vor freien Radikalen und Entzündungsprozessen schützen sowie die Zellgesundheit aufrechterhalten) [3][4], doch das ändert am Ende nichts an der Tatsache, dass Saft traditionellem Obst unterlegen ist.

So fanden Crowe/Murray (2013) bei ihrer Analyse von echten Früchten und ihrem Saft-Äquivalent heraus, dass der Gehalt an Antioxidantien z.B. bei Äpfel und Grapefruits im Schnitt um 23-54% höher lag, als bei der flüssigen Variante [5]. Bei Trauben- und Grapefruitsaft zeigte sich, dass die frische Variante und zumindest der Marken-Saft eine höhere Dichte an Antioxidantien aufwiesen, als ein identisches Hausmarkenprodukt des Supermarkts [5].

Fazit: Wer zu Saft greift, könnte mit einem Markenprodukt in der Hinsicht besser beraten sein, als mit der (billig(er) produzierten) Hausmarke. Wie dieses Experiment aber zeigt, ist dies nicht immer der Fall.

Das ist in meinen Augen aber nicht der Hauptgrund dafür, dass flüssiges Obst dem Original nicht das Wasser reichen kann – und damit kommen wir zur Quintessenz dieses Artikels, denn: Während die echte Frucht, wie sie vom Mutter Natur erschaffen wurde, in einem Nährstoffkomplex daherkommt, der reich an Ballaststoffen ist, finden wir im Saft nicht mehr allzu viel davon.

Du fragst du nun vielleicht zu Recht: Wo ist das Problem, wenn Saft weniger Ballaststoffe enthält? Ballaststoffe sind jene Kohlenhydrate, die das menschliche Verdauungssystem nicht knacken kann. Diese faserigen Substanzen leisten einen großen Beitrag zu unserer (Verdauungs-)Gesundheit und nähren die gute Darmflora. Da viele Menschen heutzutage ohnehin zu wenig davon aufnehmen, sollte man jede erdenkliche Gelegenheit nutzen, um Ballaststoffe aufzunehmen (jedenfalls bis zu einer gewissen Menge).

Ballaststoffe haben aber noch eine andere Wirkung im Körper: Sie sorgen dafür, dass die Nährstoffe langsamer verdaut werden, wodurch der Anstieg des Blutzuckerspiegels geringer ausfällt und stabiler bleibt (d.h. es kommt nicht zur Hyperinsulinämie (hoher Insulinausstoß) und ggf. einer Hypoglykämie (Unterzucker)) – das heißt: Ballaststoffe sind ein „Geschwindigkeitspoller“, wenn du so willst. Sie verhindern große Blutzucker- und Insulinschwankungen (ein Markenzeichen von ungesunden Süßigkeiten, Soft-Drinks & Co. was wiederum Heißhunger begünstigen kann). Aber das ist noch nicht alles.

Durch die Verarbeitung zu Fruchtsaft, werden Ballaststoffe, die für unser Verdauungssystem nicht zu knacken sind, mechanisch aufgeschlossen. Dieser Verarbeitungsprozess sorgt dafür, dass dein Körper mehr von der zugeführten Energie aufnehmen kann (in Form von Kalorien). Während ein Teil der Kohlenhydrate des Obstes also bei konventionellem Verzehr (echtes, ballaststoffreiches Obst) den Körper nur passieren (keine Kalorienaufnahme), kannst du dir sicher sein, dass bei Saftgenuss alles aufgenommen und genutzt werden kann. Saft ist physiologisch gesehen also energiereicher, als das Stück Obst der gleichen Menge, da mehr nutzbare Energie aufgenommen wird.

Das Gleiche gilt im Übrigen für Smoothies und Co.: Der Mixer zerkleinert die ggf. unverdaubaren Bestandteile (Ballaststoffe), wodurch sie unser Körper besser aufnehmen kann. Du kannst das auch anders formulieren: Die Verarbeitung eines Lebensmittels (Kochen, Backen, Zerkleinern) nimmt deinem Körper einen Teil der „Arbeit“ (Verdauungsarbeit) ab und erschließt Energiequellen, die normalerweise für uns nicht aufnehmbar wären. Was damals in der Steinzeit das Feuer ermöglicht hat, betreiben wir heute im ganz großen Stil, allerdings haben wir damals die Mehr-Energie gut gebrauchen können, während wir heute damit überversorgt sind.

…womit wir bei folgender Aussage landen:




Fruchtsaft: Kalorienreich, zuckerreich, folgenreich

(Bildquelle: Flickr / Tony Alter)

Ein dickes Problem: Vor allem Übergewichtige und Diabetiker sollten um Saft einen großen Bogen machen. (Bildquelle: Flickr / Tony Alter)

Ballaststoffe sorgen nicht nur dafür, dass Blutzucker und Insulinspiegel stabiler bleiben und weniger Kalorien am Ende des Tages aufgenommen werden, sondern auch, dass Früchte im Wesentlichen sättigender sind, als Fruchtsäfte [5].

Nun bestehen Obst und Säfte, je nach Sorte, aus unterschiedlichen Zuckerarten, darunter Glukose (kennen viele unter dem Begriff Traubenzucker) und Fruktose (kennen viele unter dem Begriff Fruchtzucker). Positiv anzumerken ist, dass Fruktose einen geringen Einfluss auf die Insulinausschüttung hat (und deswegen auch gerne zum Süßen von Diabetikerprodukten eingesetzt wird).

Der Nachteil ist, dass Fruchtzucker im Körper nur in der Leber gespeichert werden kann (als Glykogen) [8], wo es frei nach Bedarf zur Stabilisierung des Blutzuckers freigesetzt wird, wenn von außen mal keine schnelle Energie reinströmt (zwischen den Mahlzeiten und während wir schlafen).

Der menschliche Körper verfügt noch über andere Kohlenhydratspeicher in den Muskeln, die z.B. durch Glukose gespeist werden. Die muskulären Speicher sind um ein Vielfaches größer, als die Leberspeicher (etwa 3-5 Mal so groß oder mehr, wenn du entsprechend trainiert bist). Große Mengen an zugeführten Kohlenhydraten (Zucker) können also in den Muskeln und der Leber als Energievorrat eingelagert werden. Aber was passiert, wenn die Leberspeicher voll, d.h. gesättigt, sind?

Da nur die Leber Anspruch auf Fruktose erhebt, wird ein etwaiger Überschuss an Fruchtzucker zu Fett transformiert. Ein Teil von diesem Fett wird in die langfristigen Energiespeicher (Fettdepots) überführt, wo es für schlechtere Zeiten „auf Reserve“ gehalten wird. Was die Leber nicht loswerden kann, reichert sich in ihr an – oder einfach ausgedrückt: Die Leber verfettet (das nennt man dann „Fettleber“ oder „NAFLD“ vom Englischen für: „Non-alcohol fatty liver disease“), und das Diabetes-Risiko steigt (heißt: dein Körper wird insulinresistent). [9][10][11][12][13]

Okay, das klingt ein wenig verstörend, oder? Natürlich muss man das relativieren: Wirklich insulinresistent und krank wirst du nur, wenn du reichlich Fruktose zu dir nimmst und dich dabei in einem Kalorienplus befindest – und das Gewicht steigt und steigt. Es ist die Reaktion eines mit Zucker (Fett) überversorgten Körpers, der nicht mehr weiß wohin mit der Energie.

Das bedeutet also, dass eine schlanke Person, die tendenziell zu wenig als zu viel isst, weitaus weniger Probleme damit haben wird, als jemand, der bereits Diabetes (metabolisches Syndrom – Übergewicht, Bluthochdruck, schlechte Blutfettwerte, Insulinresistenz) hat [14][15]. Das heißt aber auch, dass mit fruchtzucker-angereicherte Produkte für Diabetiker die Situation nicht besser machen, sondern verschlimmern, wenn diese ihre Ernährung nicht im Griff haben (es wird ein Symptom (Insulinausstoß) behandelt, wobei die Ursache (steigendes Gewicht durch Überversorgung) ignoriert wird.

Eine Studie von Stanhope und Kollegen (2009) hat gezeigt, dass mit Fruktose gesüßte Getränke (der dominante Zuckertyp in Frucht- und Obstsaft) innerhalb von 10 Wochen die Insulinsensitivität und die Blutfettwerte verschlechtert, sowie die Fettansammlung in der Bauchregion („hartnäckiges Bauchfett“) fördert [16].

In einem anderen Experiment von Hollis und Kollegen (2009), an dem 76 Personen im Alter von 18-50 Jahren teilnahmen, sorgte der 3-monatige Verzehr von 480ml Saft (Grapefruit) pro Tag für Insulinresistenz und Fettzunahme in der Hüftregion (+1,6 kg) [17].

Bei einer letzten Untersuchung sorgte der Mehrverzehr von 2 Portionen Obst am Tag bei Frauen für eine Verdopplung des Gichtrisikos [18]. (Es handelte sich hierbei um eine Langzeitstudie, welche über 22 Jahre ging und die Daten von 78.906 Frauen berücksichtigte)

Es ist aber vermutlich gar nicht so wichtig, mit welchem Zucker das Getränk nun gesüßt ist, denn wenn du dich im Kalorienüberschuss befindest (und die Glykogenspeicher gesättigt sind), dürfte Glukose auf lange Sicht eine identische Wirkung entfalten, wie Fruktose – beides flutet den Körper in schnell-verfügbarem Zucker.




Verzehr von flüssigen Kalorien: Eine schlecht (fettmachende) Gewohnheit

Was Hänschen lernt, behält Hans oft lebenslang bei. In diesem Fall: Eine ungesunde Gewohnheit in Form des Safttrinkens. Wer will es ihm verübeln? Immerhin wird Saft als gesund angepriesen. (Bildquelle: Flickr / Gaulsstin)

Was Hänschen lernt, behält Hans oft lebenslang bei. In diesem Fall: Eine ungesunde Gewohnheit in Form des Safttrinkens. Wer will es ihm verübeln? Immerhin wird Saft als gesund angepriesen. (Bildquelle: Flickr / Gaulsstin)

Überhaupt ist der Verzehr von flüssigen Kalorien in meinen Augen eine der schlechtesten Gewohnheiten, die du dir zu eigen machen kannst. Kalorienreiche Getränke (zu denen Saft, aber auch Alkohol) zweifellos gehört, machen nicht nur weniger satt [19], sondern begünstigen auch die Verfettung der heutigen Gesellschaft – das betrifft vor allem unsere Jüngsten, denn hier wird der Grundstein für Übergewicht im Erwachsenenalter gelegt.

So zeigt beispielsweise eine prospektive Studie von Ludwig und Kollegen (2001) dass für jede Portion an gezuckerten Getränken, die das Kind am Tag verzehrt, sich das Risiko für Übergewicht um 60% erhöht [20]

Und lass dir gesagt sein, dass dies nicht die einzige Untersuchung ist, die aufzeigt, dass uns flüssige Kalorien schrittweise verfetten lassen [21][22][23][24][25].

Was lernen wir daraus? Wem die Gesundheit seiner Kinder am Herzen liegt, der gibt ihnen nicht etwa ein Glas O-Saft, sondern eher einen Apfel, eine Banane oder Mandarine. Das Trinken von Kalorien ist etwas für Säuglinge, alte Menschen und jene, die Probleme damit haben ihre Nahrung zu kauen; es ist eine schlechte Angewohnheit für Kinder und Erwachsene.

Wenn ich jemanden im Supermarkt sehe, der vor mir seine Coke Classic (oder literweise Saft) auf das Kassenband legt und derjenige nicht gerade vollschlank ist, dann unterstelle ich ihm pauschal Dummheit und Ignoranz. Das Eliminieren dieses (Achtung: Wortspiel!) „überflüssigen“ Postens ist der erste, einfachste und logische Schritt, wenn es darum geht Gesundheit und Wohlbefinden zu steigern. Und ist das schließlich nicht unser aller Interesse?

Abschließende Worte

Honig: Eine gesunde Alternative zum Süßen?

Hat man dir schon einmal versucht weißzumachen, dass Honig –.. Weiterlesen

Ich hoffe du konntest einiges an nützlichen Wissen aus diesem Artikel hinsichtlich Saft und Saftkonsum extrahieren.

Halten wir abschließend noch einmal fest: Bei Frucht- und Obstsaft handelt es sich im Grunde genommen um Zuckerwasser, welches aufgrund seines Ursprungs lediglich ein paar mehr Vitamine und Mineralien gegenüber Softdrinks enthält. Da Hersteller gerne tricksen, kannst du dir nicht wirklich sicher sein wie viel „Frucht“ tatsächlich in deinem Saft enthalten sind (es sei denn du prüfst, welche Vorgaben staatliche Behörden hier festgesetzt haben. Damit sich ein Saft entsprechend nennen kann (z.B. „Direktsaft“) müssen klare Richtlinien eingehalten werden).

Säfte haben selten den gleichen Vitamin- und Mineralstoffegehalt wie normales Obst. Die lange Lagerung tut ihr Übriges.

Das ist aber nicht das eigentliche Problem beim Fruchtsaft: Entscheidend ist der Verarbeitungsprozess, bei dem die in der Frucht enthaltenen Ballaststoffe mechanisch aufgeschlossen werden, wodurch Saft rein physiologisch dieselbe Wirkung auf den Organismus entfaltet, wie gezuckerte Brause – mit allen damit verbundenen gesundheitlichen Folgen, die sich besonders dann manifestieren, wenn eine Überernährung (Kalorienüberschuss) vorliegt.

Das heißt: Erhöhtes Risiko für …

    • …Übergewicht
    • …Fettleber
    • …Diabetes (Insulinresistenz)
    • …Bluthochdruck
    • …schlechte Blutfettwerte
    • …ggf. Gicht

Braucht es da noch mehr?

Fruchtsaft, egal ob nun 100% Frucht oder nicht, ist und bleibt ein Nahrungsmittel, welches selten auf den Speiseplan gehört. Wenn du von Haus aus schlank und sportlich bist, dann kannst du dir dein Glas O-Saft nach dem Training (wenn die Zuckerspeicher stark beansprucht wurden) ruhig können, aber es ist definitiv nichts, was du literweise konsumieren solltest – es sei denn du bist Leistungssportler und bekommst es nicht hin, so viel zu essen, wie du aufnehmen musst.

Wenn du Bock auf Obst und Früchte hast, dann nur zu. Das reine Naturprodukt, welches reich an Ballaststoffen ist und gekaut werden muss, sättigt nicht nur stärker, sondern enthält auch deutlich mehr Vitalstoffe.

Geht es dir mehr um die Mikronährstoffdichte, solltest du von Obst auf Gemüse umsteigen, denn das kann das Grünzeug – Kalorie für Kalorie – einfach besser (oder, wie ich es gerne ausdrücke: Du bekommst hier einfach ein besseres Kosten-/Nutzenverhältnis raus).

Quellen (Draufklicken zum Ausklappen)

[1]  Gill, JMR. / Sattar, N. (2014): Fruit juice: just another sugary drink? In: The Lancet. Diabetes and Endocrinology. URL: http://www.thelancet.com/journals/landia/article/PIIS2213-8587%2814%2970013-0/fulltext.

[2] NutritionData.self.com: Orange Jucie, Raw. URL: http://nutritiondata.self.com/facts/fruits-and-fruit-juices/1971/2.

[3] Franke, AA., et al. (2005): Bioavailability and antioxidant effects of orange juice components in humans. In: J Agric Food Chem. URL: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15969493.

[4] Ghanim, H., et al. (2010): Orange juice neutralizes the proinflammatory effect of a high-fat, high-carbohydrate meal and prevents endotoxin increase and Toll-like receptor expression. In: Am J Clin Nutr. URL: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2844681/.

[5] Crowe, KM. / Murray, E. (2013): Deconstructing a fruit serving: comparing the antioxidant density of select whole fruit and 100% fruit juices. In: J Acad Nutr Diet. URL: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23810279.

[6] Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit: Fruchtsäfte, -nektare, -sirupe und Fruchtsäfte getrocknet. Untersuchungsergebnisse 2007. URL: https://www.lgl.bayern.de/lebensmittel/warengruppen/wc_31_fruchtsaefte/ue_2007_fruchtsaefte.htm.

[7] Holt, SH., et al. (995): A satiety index of common foods. In: Eur J Clin Nutr. URL: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/7498104.

[8] Bray, GA. (2007): How bad is fructose? In: Am J Clin Nutr. URL: http://ajcn.nutrition.org/content/86/4/895.full.

[9] Faeh, D., et al. (2005): Effect of Fructose Overfeeding and Fish Oil Administration on Hepatic De Novo Lipogenesis and Insulin Sensitivity in Healthy Men. In: Diabetes. URL: http://diabetes.diabetesjournals.org/content/54/7/1907.short.

[10] Ouyang, X., et al. (2008): Fructose consumption as a risk factor for non-alcoholic fatty liver disease. In: J Hepatology. URL: http://www.journal-of-hepatology.eu/article/S0168-8278%2808%2900164-5/abstract.

[11] Zelber-Sagi, S., et al. (2007): Long term nutritional intake and the risk for non-alcoholic fatty liver disease (NAFLD): A population based study. In: J Hepatology. URL: http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0168827807004278.

[12] Elliot, SS., et al. (2002): Fructose, weight gain, and the insulin resistance syndrome. In: Am J Clin Nutr. URL: http://ajcn.nutrition.org/content/76/5/911.short.

[13] Basciano, H. / Federico, L. / Adeli, K. (2005): Fructose, insulin resistance, and metabolic dyslipidemia. In: Nutr Metab. URL: http://link.springer.com/article/10.1186%2F1743-7075-2-5.

[14] Stanhope, KL. / Havel, PJ. (2008):  Endocrine and metabolic effects of consuming beverages sweetened with fructose, glucose, sucrose, or high-fructose corn syrup. In: Am J Clin Nutr. URL: http://ajcn.nutrition.org/content/88/6/1733S.full.

[15] Tappy, L. / Lê, KA. (2010): Metabolic effects of fructose and the worldwide increase in obesity. In: Physiol Rev. URL: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20086073.

[18] Stanhope, KL., et al. (2009): Consuming fructose-sweetened, not glucose-sweetened, beverages increases visceral adiposity and lipids and decreases insulin sensitivity in overweight/obese humans. J Clin  Invest. URL: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2673878/.

[17] Hollis, JH., et al. (2009): Effects of concord grape juice on appetite, diet, body weight, lipid profile, and antioxidant status of adults. In: J Am Coll Nutr. URL: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20439553.

[18] Choi, HK. /  Willett, W. / Curhan, G. (2010): Fructose-Rich Beverages and the Risk of Gout in Women. In: JAMA. URL: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3058904/.

[19] Mattes, RD. / Campbell, WW. (2009): Effects of food form and timing of ingestion on appetite and energy intake in lean young adults and in young adults with obesity. In: J Am Diet Assoc. URL: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19248858.

[20] Ludwig, DS. / Peterson, KE. / Gortmaker, SL. (2001): Relation between consumption of sugar-sweetened drinks and childhood obesity: a prospective, observational analysis. In: The Lancet. URL: http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0140673600040411.

[21] Faith, MS., et al. (2006): Fruit Juice Intake Predicts Increased Adiposity Gain in Children From Low-Income Families: Weight Status-by-Environment Interaction. In: Pediatrics. URL: http://pediatrics.aappublications.org/content/118/5/2066?variant=long&sso=1&sso_redirect_count=1&nfstatus=401&nftoken=00000000-0000-0000-0000-000000000000&nfstatusdescription=ERROR%3a+No+local+token.

[22] Wojcicki, JM. / Heyman, MB. (2012): Reducing childhood obesity by eliminating 100% fruit juice. In: Am J Public Health. URL: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22813423.

[23] Muraki, I., et al. (2013): Fruit consumption and risk of type 2 diabetes: results from three prospective longitudinal cohort studies. In: The BMJ. URL: http://www.bmj.com/content/347/bmj.f5001.

[24] Bazzano, LA., et al. (2008): Intake of Fruit, Vegetables, and Fruit Juices and Risk of Diabetes in Women. In: Diabetes Care. URL: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2453647/.

[25] Odegaard, AO., et al. (2010): Soft drink and juice consumption and risk of physician-diagnosed incident type 2 diabetes: the Singapore Chinese Health Study. In: Am J Epidemiol. URL: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20160170.

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